Vor etwa 400 Jahren, 1590, begann die Glasmacherei im Thüringer Wald Fuß zu fassen. Seitdem wurde das Profil des Glases permanent und charakteristisch geprägt. In besonderer Weise gilt das für die künstlerische Gestaltung dieses faszinierenden Materiales. Generationen hervorragender Glasmacher und Glasmeister, Glasbläser und Künstler bereicherten nicht nur die Thüringer Glaskunst mit immer wieder neuen Glasarten, Techniken, Sortimenten und Formen.

Iris goldBerufsverband Deutscher Augenprothetiker

( BVDA )  e.V.

Nun, die moderne Augenprothetik macht eine Interaktion zwischen Handwerk, Kunst, Schönheit und Ästhetik geradezu erforderlich.

Kenntnisse der verschiedensten Disziplinen, Rohstoff- und Werkstoffkunde, Farbenlehre, medizinische und ästhetische Anatomie, Anthropologie, Physiologie, (einfühlsame) Psychologie und künstlerisches Empfinden sind nötig, um letztendlich durch handwerkliches Geschick die Theorie in die Tat umsetzen zu können.

Die Beherrschung der Herstellungstechnologie und das Verständnis der Gesetze, denen der Werkstoff Glas unterworfen ist, bilden die Grundlage. Manuelle Kunstfertigkeit, naturwissenschaftliche Kenntnisse, intuitives “Fingerspitzengefühl“ und in besonderem Maße viel Geduld und Liebe zu diesem Beruf führen bei entsprechender Berufserfahrung und Praxis zu bewundernswerten Erfolgen.

Während der über 170-jährigen Geschichte der deutschen Augenprothetik erhielten tausende Menschen durch die Herstellung und Anpassung eines Kunstauges ihre kosmetische Balance und dadurch auch ihr psychisches Gleichgewicht zurück.

Die Herstellung und Anpassung von künstlichen Augen als individuelle Dienstleistung des Augenprothetikers vereinigt die Begriffe Kunst und Handwerk wiederholt so, wie es in alten Zeiten obligat war - Einheit von Handwerk und Kunst.

Bereits im Altertum existierte neben den mechanischen Künsten und der Technik als das größte Gebiet menschlicher Kunstfertigkeit Kunst stets im Sinne handwerklicher Traditionen.

Nach Platon (427 - 347 v. Chr.) sind Werke “allein nicht nur für den Gebrauch" bestimmt.

Als die bildende Kunst mit Bereichen der Medizin Wechselbeziehungen einging, geometrische und arithmetische Entdeckungen der Mathematik, wie "Ordnung, Ebenmaß und Symmetrie“, “die harmonische Anordnung mehrerer Teile zueinander und deren wechselseitige Entsprechung in bezug auf Größe, Form und Anordnung die wahre Schönheit verkörpern“, erst dann gewann die bildende Kunst ihre echte Bedeutung.

Problemlos ist auch hier die Verbindung zur Medizin geknüpft:

Galen (129 - 199) schreibt, daß "die Schönheit eines Körpers auf Grund der Symmetrie seiner Teile, im Verhältnis aller zueinander, gleicherweise Sache von Ärzten wie von Philosophen (und Künstlern) ist."

Die Lehre vom Schönen und Ausgewogenem, das, was man seit etwa 200 Jahren als Ästhetik bezeichnet, ihre Entstehung wäre ohne die klassische Antike kaum möglich gewesen.

Außerordentliche Bedeutung kommt der Fabrikation und stetigen Entwicklung von Augen aus Glas zu. Es begann mit der Herstellung einfacher Tier- und Puppenaugen für die Spielzeugindustrie, Tieraugen für Präparationszwecke und gipfelte in der Entwicklung individuell angepaßter Kunstaugen.

Die deutsche Augenprothetik verdankt dem Würzburger Medikus Prof. Adelmann und Ludwig Müller-Uri (1811-1888) den entscheidenden Impuls auf dem Wege zu einer exakten medizinisch-prothetischen Disziplin. 1835 legte Müller-Uri im thüringischen Lauscha den Grundstein. Es brauchte nur wenige Generationen bis man optimale Materialien gefunden hatte und den anatomischen Erfordernissen Rechnung tragen konnte.

Alle Kollegen unserer heute nicht nur in Europa tätigen Zunft besitzen in Lauscha ihre Wurzeln und Ihre aus Thüringen stammenden Vorfahren oder Lehrmeister waren es, welche sie schulten.

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Existiert in unserer komplexen, technischen, von Arbeitsteilung geprägten Welt noch ein Ressort, in dem ein Kunstwerk von einem einzigen Hersteller in individuellster Handarbeit geschaffen werden kann ?

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