bis 1945

Geschichtliches  ab  1700

Während die Glasherstellung und Anfertigung verschiedenster Erzeugnisse in Glashütten bereits 5000 Jahre alt ist, existiert die “Arbeit vor der Lampe“ erst etwa seit dem 17.Jahrhundert. Diese Art der Glasgestaltung zählte von Anbeginn an zu den seltenen Handwerken und war zuerst in Venedig beheimatet. Etwa um 1700 gelangte diese Glasbläserkunst nach Thüringen, nach Lauscha. Hier konnte man nun aus in der heimischen Glashütte vorgefertigten Glasröhren und Glasstäben vor der mit Luftzufuhr gespeisten Flamme einer Öllampe das Glas wieder erweichen und durch Blasen und Modellieren in vielfältige Formen bringen. Die ersten Erzeugnisse wurden vornehmlich als Attraktion für Adel und reiches Bürgertum gefertigt. Obwohl man nur geringe Arbeitsmittel benötigte, verhinderte die der Glasgeschichte typische strikte Geheimhaltung lange Zeit eine Ausbreitung. Die frühesten Erzeugnisse, die Fabrikation von Glasperlen, erhielt ihren hauptsächlichen Aufschwung als sich 1789 Sonneberger Spielzeugverleger von der Meininger Staatsregierung ein Privileg für den allgemeinen Vertrieb von Glasperlen gewähren ließen. Der endgültige Durchbruch der Lampenarbeit gelang dem Glasschleifer und Tüftler Johann Georg Greiner aus Lauscha mit der Einführung eines präzisen Blasebalges. Auf Grund dieser technischen Verbesserung gesellten sich zu den Glasperlen weitere Erzeugnisse wie Glasapparate, technische Laborgläser, Christbaumschmuck, Glastiere und Glasfiguren. Hinzu kommt noch eine Reihe spezieller Erzeugnisse wie Tier- und Puppenaugen für die Spielzeugindustrie, Tieraugen für Präparationszwecke und vor allem unser Metier, die von Ludwig Müller-Uri (1835) entwickelt und hergestellten künstlichen Menschenaugen, für deren Herstellung besonderes künstlerisches Einfühlungsvermögen nötig ist.

An dieser Stelle ist besonders erwähnenswert, daß seit über hundert Jahren nach Gustav Lehmann (Die Lauschaer Glasindustrie, 1923) gilt

 - unseres Erachtens äußerst wichtig für die gesamte Augenherstellung -

 daß bereits “ bei der (damaligen) häuslichen Produktion (künstlicher Augen) eine scharfe Trennungslinien zwischen

  1. Menschenaugen

  2. Tieraugen

  3. Puppenaugen         zu ziehen ist.”

“An die Herstellung eines jeden dieser Artikel knüpft sich ein besonderes Verfahren, und im allgemeinen wird ausschließlich entweder das eine oder das andere gefertigt.“ (Lehmann, 1923)

Noch nach über 100 Jahren der Einführung der Lampenarbeit gab es für die gesamte Lauschaer Glasbläserei weder ein organisiertes noch für alle verbindliches Aus- und Weiterbildungssystem. Die Kinder wuchsen im Rahmen der Heimarbeit im Elternhaus in den jeweiligen Beruf hinein. Die Berufstätigkeit der Glasbläser “vererbte“ sich von den Eltern auf die Kinder, von Generation auf Generation. Obwohl sich diese Form der Berufsqualifizierung lange als ausreichend bewährt hatte, stellte die mit dem wirtschaftlichen Aufschwung einhergehend gestiegenen Qualitätsansprüche an die Erzeugnisse insbesondere auch im Hinblick auf die künstlerische Gestaltung die Forderung nach neuen und besseren Ausbildungsmethoden. Die Gründung einer “Zeichen- und Modellierschule“ für Interessierte während der Abendstunden bildete 1881 diesbezüglich den Grundstein. Mit der Eröffnung der “Kunst- und Gewerbeschule“ 1904, 1905 in “Kunstgewerbliche Fachschule“ umbenannt, war eine berufsbildende Schule für eine fundierte und intensive kunsthandwerkliche Ausbildung des Nachwuchses geschaffen. Im Zuge einer zentralen Steuerung durch das Volksbildungsministerium wurde in der Weimarer Republik ab 1923 der Schulbesuch für die Lehrlinge aller Glasberufe obligatorisch. Die neu geforderten allgemeinbildenden Fächer erfolgen nun parallel zum fachspezifischen, glastheoretische Unterricht.

Das heutige duale System der Berufsbildung war für Lehrlinge (zumeist kleiner Firmen) hiermit an Ort und Stelle bereits möglich, obwohl der Begriff “duales System“ noch gar nicht kreiert war.

 Diese Methode der zweitgeteilten Ausbildung, der allgemeinbildende und fachtheoretische Unterricht in der Glasfachschule und die berufspraktische Ausbildung in der häuslichen Werkstatt erfolgend, wurde vorerst bis zur Teilung Deutschlands beibehalten.

 

pfeil zurueck blau pfeil weiter blau

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