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Der Standard der Augenprothetik befindet sich in Deutschland bereits seit 170 Jahren auf beeindruckendem Niveau.

Die Versorgung mit einer erstklassigen Augenprothese kann aber nur durch eine entsprechende Ausbildung und dem darauf folgenden staatlich anerkannten Abschluss garantiert werden.

Unsere verantwortungsvolle Tätigkeit im Gesundheitssektor besaß seit 1967 in der (alten) Bundesrepublik Deutschland (Ausnahme DDR) und seit 1990 im wiedervereinigten Deutschland weder in der Grundausbildung noch in der Prothetik eine staatlich geregelte Fachqualifikation.

    Die Aufgabenstellung für den Augenprothetiker war und ist selbstverständlich jedoch immer objektiv vorhanden. Auch die geringe Beschäftigungsdichte - in Deutschland existieren momentan 25 Fachfirmen - konnte und kann den hohen Qualifikationsanspruch nichts mindern.

Seit 1998 ist die 3-jährige staatliche Erstausbildung des Augenprothetikers über den staatlich anerkannten Beruf des Glasbläsers/Fachrichtung Kunstaugen entsprechend dem dualen System der Bundesrepublik Deutschland - Theorie in Glasfachschule (Lauscha oder Zwiesel) und Praxis im jeweiligen Ausbildungsbetrieb - realisierbar. Diese Grundausbildung bildet jedoch nur das Fundament für die spätere Berufsausübung des Augenprothetikers. Nachdem hier der Absolvent das Trennen, Fügen, Umformen und Mischen der entsprechenden Gläser, die farbliche Gestaltung der Iris, den Aufbau der vorderen Augenkammer und die Herstellung von Interims- und Standardaugenformen erlernt hat, muß sich die medizinisch-prothetische Ausbildung für die individuelle Einzelstückanfertigung - möglichst im selbigen Ausbildungsbetrieb - lückenlos anschließen.

Aufgrund der geringen Ausbildungsverhältnisse war und ist eine bundesweite staatliche Fortbildungsregelung nicht möglich. Zur zukünftigen Sicherung der Fachqualifikation war somit die Forderung nach einer Kammerregelung nach § 46.1 oder § 46.2 zwingend.

Deshalb hat unser Berufsverband Deutscher Augenprothetiker (BVDA) e.V. einen entsprechend ausgearbeiteten Ausbildungsrahmenplan für die Fortbildung zum Augenprothetiker der Handwerkskammer Südthüringen unterbreitet.

    Diesen Beruf auch weiterhin in seinem Heimatland Thüringen bezüglich einer entsprechenden staatlichen Abschlussprüfung zu belassen, war obligat, denn das Kunstauge wurde 1835 im thüringischen Lauscha von Ludwig Müller-Uri (1811-1888) entwickelt. Alle Kollegen unserer heute nicht nur in Europa tätigen Zunft besitzen in Lauscha ihre Wurzeln und Ihre aus Thüringen stammenden Vorfahren oder Lehrmeister waren es, welche sie schulten.

Anschließend wurde gemeinsam mit der Handwerkskammer Südthüringen, dem Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) und der vertretenen IG BCE eine “Besondere Rechtsvorschrift” zur einer speziellen Fortbildungsprüfung erarbeitet.

    Handwerkskammern sind berechtigt “Besondere Rechtsvorschriften” für spezielle Fortbildungsprüfungen zu erlassen. Diese “Besonderen Rechtsvorschriften” müssen zunächst durch den Berufsbildungsausschuss und danach durch die Vollversammlung der Handwerkskammern beschlossen werden. Anschließend leitet dann, in unserem Fall, das Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Infrastruktur (TMWAI) ein Genehmigungsverfahren ein. Nach Abdruck der genannten Vorschrift in der “Deutschen Handwerks Zeitung” tritt die “Besondere Rechtsvorschrift” in Kraft.

    Für das Ablegen von Prüfungen muß weiterhin vom Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Infrastruktur (TMWAI), bzw. von Berufsbildungsausschuss und Vollversammlung der Handwerkskammer ein Fortbildungsprüfungsausschuss bestätigt werden.

Am 12.05.2005 erfolgte die Zustimmung des Berufsbildungsausschusses, am 25.06.2005 die Zustimmung der Vollversammlung der Handwerkskammer Südthüringen. Anschließend wurde die Genehmigung durch das zuständige Thüringer Ministerium (TMWAI) erteilt und die Veröffentlichung der “Besonderen Rechtsvorschrift” erfolgte in der Deutschen Handwerks Zeitung DHZ  Nr. 17 vom 09.09.2005.

Der bestätigte Fortbildungsprüfungsausschuss besteht zur Zeit aus 4 Mitgliedern:

1 selbständig arbeitender Augenprothetiker

1 angestellter Augenprothetiker

1 Fachschullehrerin

1 Ophthalmologin

Bei Bedarf kann der Fortbildungsprüfungsausschuss um jeweils 2 Mitglieder (1 selbständig arbeitender und 1 angestellter Augenprothetiker) erweitert werden.

Die ersten Prüfungen zum " Geprüften Augenprothetiker " fanden am 01.10.2005 in Lauscha erfolgreich statt.

Die optimale Beratung, Sonderanfertigung, Anpassung und Erläuterung sowie Einweisung in den Gebrauch der Augenprothese ist durch den staatlich anerkannten Abschluss "Geprüfter Augenprothetiker" zukünftig erfolgreich gesichert.

pfeil zurueck blau pfeil weiter blau

 Copyright © 2000 by BVDA e.V.   D - Berlin  /  erstellt  von  Th. Knauer  am   01.10.00. geä. am  02.01.06  Nachdruck   nur   mit  ausdrücklicher   Genehmigung  des  Verfassers.